Freitag, April 17, 2015

"Visa on arrival" oder warum ich doch nach Hamburg fuhr

Als deutsche Staatsbürgerin benötige ich ein Touristenvisum, um Indien zu besuchen. Hatten meine Eltern dies damals noch per Post (Einschreiben etc.) erledigt, möchte der beste Kerl von allen seinen Reisepass einfach nicht per Snailmail verschicken. Also füllen wir jedes Mal umständlich die Visaformulare online aus (inkl. Fragen nach meinen Eltern, meinen Großeltern, meinem Arbeitgeber etc. *aargh*) und fahren brav nach Hamburg zum Visabüro des Konsulats. Dort warte ich eine gefühlte Ewigkeit darauf, meinen zuvor ausgedruckten Krams einzureichen und die Gebühren bar zu zahlen und fahre eine Woche später wieder hin, um alles abzuholen.

Doch nun soll alles anders werden. Der Zauberbegriff lautet "Visa on arrival" und wird von einigen Staaten bereits erfolgreich betrieben. Erfolgreich bedeutet für mich, dass ich sehr wenig Zeit und Arbeit investieren muss, es quasi spontan geht, ins Land einzureisen. Nicht so bei den Indern. Dort wartet vor dem "arrival" nämlich doch wieder jede Menge Papierkram und Zeit. Man muss exakt die selben Fragen online beantworten, wie beim "normalen" Visum, und auch gleich die Gebühren für das Visum entrichten. Einen Screenshot seines Reisepasses als pdf schicken und ein Foto in 5x5 cm hochladen. Nicht zu groß. Dies alles spätestens 4 Tage vor Abflug. Nicht gerade für spontane Reisen geeignet. Doch da sich das Land gerade reichlich dafür abfeiern lässt, wie gut dieses "Visa on arrival" funktioniert, haben wir es gewagt und uns Ostern an den Rechner gesetzt, die Kreditkarte neben uns liegend (denn natürlich wollen sie immer noch 60 US Dollar dafür sehen).

Ich könnte jetzt wortreich erläutern, wie ärgerlich es war, all diese Fragen auszufüllen. Wie stressig es wurde, als die Bankingseite einfach nicht laden wollte. Die Panik, die langsam aufkam, als es über die Ostertage immer noch nicht klappte. Alle Daten neu eingegeben, alles neu versucht. Keine Bankingseite. Andere Browser, andere Geräte, andere Netzwerke haben wir getestet. Denn nirgendwo auf der Seite stand, dass es irgendwelche allgemeinen Probleme gäbe. Der Montag nach Ostern war nur bei uns ein Feiertag, da sollte in Indien doch jemand arbeiten?! Dass ich den Support anschrieb und die mir freundliche Mails schickten mit der Bitte, es doch in neun Stunden erneut zu probieren. Und dann vielleicht gleich komplett neu.


Es funktionierte natürlich nicht. Das Ende vom Lied war also, dass Alex eine lange Mittagspause machen musste, um unsere Unterlagen dann doch wieder nach HH zu bringen, in dem Wissen, dass die normalerweise länger als eine Woche dafür benötigen. Ankunftsdatum in Indien: Ziemlich genau eine Woche.Es gibt eine Expressmöglichkeit (natürlich mit Extra-Zahlung), doch ein gültiges Flugticket wurde bisher nicht als Grund für eine solche Extabehandlung anerkannt.

Doch siehe da: "Visa on arrival" hat doch etwas verändert. Das Büro am Mundsburger Damm ist nun weniger bevölkert, der Mann brauchte keine 12 Minuten von Ankunft bis Abfahrt zurück nach Kiel. Inklusive der Zusage, dass ich die Pässe in 2 Tagen abholen könne. Okay, die Visa haben nun fast 200 Euro gekostet, aber hey, der Urlaub war gesichert.

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